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2 0 1 8   |   I B A   S U M M E R S C H O O L
Suburbanes Szenario Fellbach-Ost
Metropolis Infill 2100​​​​​​​
Der Beitrag entstand im Rahmen der IBA Summerschool im Jahr 2018.
Die dargestellten Fotografien wurden seitens der Organisatoren aufgenommen. Ihnen gehören die Bildrechte.

Beteiligt waren Lidess Msiska (Mzuzu Uni, Malawi), Sofia van den Heuvel (FADU (UBA), Argentinien), Lucia Britti (FADU (UBA), Argentinien), Luis Villagra (UTFSM, Chile), Jonas Kern (HFT Stuttgart, Deutschland)

Betreut durch: Ph. D. J. León (UTFSM, Chile), Prof. Dr. D. Kurth (TUK, Deutschland), Aida Nejad (TUK, Deutschland)
P L O T
Wir schreiben das Jahr 2100. Die klimatische Veränderung auf unserem Planeten hat weltweit enormen Einfluss auf die Lebensumstände geltend gemacht. Die Städte unserer Metropolregionen heute gleichen Städten wie Buenos Aires oder Valparíso im Jahr 2018. Lebensraum ist knapp und Menschen leben in großen Kommunen um Aufgaben zu teilen und sich zu unterstützen. Der technische Fortschritt ist nicht abgeklungen und die Art wie Menschen und Waren bewegt werden hat sich geändert.

D I E   V I S I O N
Städte wie Stuttgart oder Frankfurt werden weiter wachsen, die Kernstadt weitet sich aus und die heutigen Vorstädte werden Teil dieser Megacities werden.
In diesem Fallbeispiel wird aufgezeigt, wie sowohl Fellbach, als auch Waiblingen teil von Stuttgart werden könnten. Um das Städtewachstum zu regulieren und in einem geordnetem Rahmen zu ermöglichen, werden die heutigen Freiräume zwischen den Vorstädten zu sogenannten Infills erklärt. Diese Infills funktionieren als Mischflächen, die die Bereiche Wohnen, Arbeiten und Naherholung beinhalten und eine Möglichkeit zu zukünftigen Wohnkonzepten eröffnen.
Einen Individualverkehr, wie wir ihn heute kennen gibt es nicht mehr. Kraftfahrzeuge - wie auch immer diese nun aussehen mögen - bewegen sich über ein Raster und fungieren als neue Art des öffentlichen Nahverkehrs für  private als auch kommerzielle Nutzung.

T O O L K I T
Um diese Vision zu realisieren und abzubilden begannen wir mit der Analyse heutiger Megacities. Nachdem die wichtigsten Faktoren heraus gearbeitet waren, wurden Überlegung angestellt, wie man nachhaltiges Wohnen/ Leben mit technischem Fortschritt kombinieren könnte. Aufgrund des sehr großen Maßstabs und der  Vielschichtigkeit eines solchen Systems entwickelten wir auf Grundlage der bisher gewonnen Erkenntnisse und Ideen ein Toolkit, mit dessen Hilfe die unterschiedlichsten Situationen erzeugt und abgebildet werden können.

Das Toolkit unterscheidet in vier verschiedene Typologien:

Produktion / produktivity
(Erzeugung von Energie, Nahrung, Güter des täglichen Bedarfs)
Wohnen / housing
(unterschiedlichste Wohnformen)
Öffentlich / public
(Parks, Spielplätze, Schulen, KiTas, Bibliotheken, etc.)
Transport / transport
(Individualverkehr, öffentlicher Nahverkehr, Mobilitätszentren)

Die Typologien beinhalten jede für sich weitere Unterpunkte, welche je nachdem, wie sie kombiniert werden verschiedene Konstellationen von so genannten mixed blocks ergeben. Auf Grund der hohen Dichte der Stadt gibt es Themen wie Energieerzeugung/- versorgung, Grünflächen/ Freiräume (für z.B. Urban Gardening und CO2-Reduktion) und Wiederaufbereitung von Wasser, die immer Teil eines mixed blocks ein müssen.

Innerhalb der mixed blocks gibt es keine Transportangebote. Öffentlicher Nahverkehr in all seinen Facetten wird ausschließlich über die vorgehaltenen Verbindungen und Raster/ Netze (grid) gewehrleistet, die weitestgehend auf der vorhandenen Struktur aufgebaut werden..

Appell, der
Substantiv, maskulin

Bedeutungsübersicht
1.     a. auffordernde, aufrüttelnde Mahnung
       b. Aufruf, Aufforderung

2.    (Militär) Aufstellung, Antreten
       zur Überprüfung, Entgegennahme
       einer Nachricht, eines Befehls o. Ä.


I B A   2 0 2 7   -   E I N   A P P E L L
Weniger ein Projekt. vielmehr ein Denkanstoß, wenn nicht sogar eine eindringliche Bitte, möchte an dieser Stelle ausgesprochen werden.
Die IBA als Jubiläum der Ausstellung in der Weißenhofsiedlung darf nicht ein Aufzeigen der heutigen Architektur als zukunftsweisende Methodik sein. Sie muss offen und frei sein, gewillt sein neue Wege zu gehen und zu rebellieren. Sie muss ein Statement im Geiste der Moderne, ein Statement der heutigen Zeit und ein Statement für vorwärts, statt rückwärts gewandtes Denken sein. Sie muss das Abbild einer Avantgarde sein, die sich nicht durch industrielle, wirtschaftliche und politische Reglements einschränken lässt.
Die derzeitige  Situation im Bauwesen grenzt an Perversion. Gebaut wird, wenngleich genau das immer aufs neue verteufelt wird, nicht mit Blick in die Zukunft oder auf die Ressourcen, sondern mit Blick auf die monetären Vorzüge eines Projektes. Daher wäre es an der Zeit nicht ebensolche Projekte vorzustellen, sondern wegweisende Konzepte und Projekte, die sich schon heute mit den Problemen von morgen beschäftigen und neue Arten des ressourcen- und energiesparenden Bauens vorantreiben.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit klingt es durchaus anmaßend und überheblich, solche Aussagen zu treffen und dann eigene Konzeptideen vorzustellen. Vor allem in dem Alter und mit einem quasi nicht vorhanden Erfahrungspools. Dennoch, oder gerade weil ich überzeugt bin, dass mehr in Idealen und Utopien gedacht werden sollte, möchte ich den Leser an dieser Stelle bitten sich  einmal die Welt in etwa 100 Jahren vorzustellen. Gewiss, dies ist nicht einfach, aber wenn wir ehrlich sind wird die Weltgemeinschaft insgesamt weiter zusammen rücken müssen. Wasser wird knapp  ein, Nahrung und andere Ressourcen ebenfalls. Mehr Menschen werden ihre Heimat aufgeben  müssen und die Ballungszentren werden vermutlich noch mehr belastet. Will man dann die neu besiedelten Areale sich selbst überlassen oder aus Problemen, die heute in solchen Lebenssituationen schon vorherrschen lernen und das Ganze geordneter angehen?
Stuttgart im Dezember 2018​​​​​​​
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